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Fütterung auch kleinster Jungfische

DESC PRACHTGRUNDKÄRPFLINGE

Moderator: Christian

Fütterung auch kleinster Jungfische

Postby fairdv » 19 Sep 2008 21:29

Hallo,

wollte hier mal meine Fütterungsmethode für meine kleinsten Jungfische beschreiben, vielleicht nutzt es ja dem einen oder anderen.

1. Immer im Sommer stelle ich mir eine Regentonne in den Garten ( es geht auch direkt aus jedem Teich oder Tümpel, aber so muss ich mir keine großen Mühen machen und nutze die Regentonne im weiteren Verlauf als Daphnienquelle für meine großen Aquarienbewohner) und gebe etwas von meinen Teichwasser so wie eine Hand voll Schlamm aus dem Teich und ein paar Schnecken hinein. Die Tonne fülle ich dann zur Hälfte mit Regenwasser und lasse sie mind. 3-6 Wochen stehen. Gelegentlich schmeiße ich ein paar Flocken Fischfutter oder ein paar Haferflocken (höchstens 5-6 Stück) in die Tonne, nur für die Schnecken und Kleinstlebewesen.

2. Nun nehme ich einen Zuchtansatz Moina (jap.Wasserflöhe, viel kleiner als Daphnien) und gebe ihn, zusammen mit 5l von dem Tonnenwasser, eventuell sogar mit einer Zugabe filtrierter Kleinstlebewesen und Schnecken aus der Tonne (Planktonetz) in ein 20l Aquarium (am besten aus Kunststoff, (22lliter Ikea)) und dazu 5 l Frischwasser.

3. Das Kunststoffbecken kommt in meinen Aquarienkeller unter eine Neonröhre mit 25W Heizer und 24°C Wassertemp.

4. Fütterung des Ansatzes: Ausschließlich mit Haferflocken und ein paar Reiskörnern. Pro Fütterung gebe ich 10-20 Haferflocken unter Wasser in die Mitte des Behälters. Dazu gebe ich 3-5 Reiskörner. Neu gefüttert wird wenn die Haferflocken aufgebraucht sind (2-4Tage). Reis wird immer nachgefüllt, wenn er weg ist.

Zur Erklärung:

Haferflocken fressen die Bakterien und Einzeller gerne und vermehren sich, das freut die Moina, da sie liebend gerne Bakterien und Pilze fressen. Dadurch vermehren sich die Moina wiederum. Man kann, wenn man möchte, gelegentlich ein paar Krümmel Mikrozell ins Wasser ´geben, dass fressen die Flöhe auch gerne und vor allem sieht man sie dann auch, aber das hat auch zur Folge, dass das Becken stark veralgt.
Reiskörner sind eine Delikatesse für so manche Kleinstlebewesen, wie z.B. die wichtigen Pantoffeltierchen, die unseren Allerkleinsten gut munden.
Aber auch die jungen Moinas sind so klein, das sie mit blosem Auge schlecht erkennbar sind.
Die Schnecken fressen so manche Reste und Algen, auch die Bakterien werden von Ihnen nicht verschmäht, und die wollen wir nur zum füttern der Moinas. Ausscheidungen der Schnecken ist wiederum Bakterienfutter.

5. Nach 2-4 Wochen ist der Ansatz sehr stark belebt. Ich wechsel zwischendurch immer mal bis zu 1/4 des Wassers und achte dabei darauf, nicht den gesamten Mulm abzusaugen.

Ab jetzt gebe ich die Jungfische direkt nach dem Schlupf in das Becken. Sie finden massig zu fressen. Aufsalzen sollte wenn nötig vorher erfolgen, damit sich die Flöhe daran gewöhnen (also direkt beim Bilden des Ansatzes).

6. Nach 3-4Tagen schaue ich schonmal, ob die Kleinen groß genug für Artemia sind, da auch mir ein kurzer Aufenthalt in der Bakterienreichen Umgebung lieber ist, ich habe aber keine Schädigungen feststellen können. Die Bakterien sind schon ziemlich spezialisiert und ich denke es stärkt eher das Imunsystem als das es schwächt. Schließlich werden die Bakterien ja nicht mit Fischmehl gefüttert ;-)
Ich habe es schon ein paar Mal ausprobiert, ich bekomme ca. 7 Jungfische nur mit Haferfocken (Reiskörner braucht man nur für die Pantoffeltierchen) bis zur Geschlechtertrennung in so einem Becken groß. Wichtig ist regelmäßiger Wasserwechsel und eine gute Pflege des Moina Bestandes. Außerdem gibt es in meinem Ansatzbecken mind. 6 weitere Kleintierarten, die sich prächtig vermehren und etwa die Größe frischgeschlüpfter Artemia haben. Hüpferlinge und der Gleichen.

7. Tip: Ich habe mir einen 20l Ansatz gemacht und fülle davon immer 5l in einen frischen Ansatz. So kann ich das ganze Jahr über neue Ansätze produzieren. Ich erneuer aber die Ansätze grundsätzlich spätestens im nächsten Sommer wieder.

So einfach kann es sein.

Gruß

Frank
fairdv
 
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Aktuelles Experiment

Postby fairdv » 27 Sep 2008 10:43

Hallo,

ich nenne es mal Experiment, da ich vorher nie die Wasserwerte meines "Jungfischfuttertümpels" genauer kontrolliert habe, will aber diese Daten nicht vorenthalten.

Zuerstmal: Ich habe im Moment ein paar Rachovii black aus Tahiland frisch schlüpfen lassen. Wie immer ist es etwas schwierieg, die sehr kleinen Jungfische von Rachovii an die Artemia zu bekommen.
Es klappt zwar, aber die ersten 2-3 Tage tun sich die Kleinen echt schwer. Daher habe ich die Hälfte (14) in den Futtertieransatz gesetzt.
Hier kann ich schön vergleichen wie die Entwicklung sich unterscheidet.
Da ich etwas skeptisch war, da sich die Schnecken sehr stark vermehrt haben und das Wasser etwas gelblich ist, habe ich erstmal grob die Wasserwerte gemessen. Wie im obrigen Beitrag beschrieben fütter ich mit ca. 15 Haferflocken, lass den Bodenmulm größtenteils drin und mache gelegentlich einen Teilwasserwechsel, aber diesmla habe ich schon 2 Wochen nicht gewechselt. Doch die Wasserwerte sind echt so wie man sie sich wünscht (bis auf die Härte und der Leitwert könnte etwas höher sein) ph: 6,8 dh: 10 KH: 6 Nitrat: 0 Nitrit: 0 Leitwert: 998 microS . Werde heute Abend mal mehr Werte bestimmen und hier ergänzen.

Im Ansatz selber sind im Moment die Moinas wie wild im Vermehrungsrausch. Ich habe einen Heizstab mit 25° und eine kleine Stehlampe mit direktem Licht auf die Oberfläche an. Keine Luftzufuhr. Oberfläche reicht im Moment wohl aus, werde aber heute Abend Sauerstoff messen.
Auch sonst sieht man massig Infusorien und andere Kleinstlebewesen, z.B. so winzig kleine schwarze Punkte die durchs Becken rasen. Und ich mein wirklich rasen. Weiss vielleicht jemand was das ist? Die Fische werden die wohl gar nicht zu fressen bekommen.

Nach nun 2 Tagen kann ich natürlich noch nicht viel über die Unterschiedliche Entwicklung sagen. Ich hatte heute Morgen aber wieder echt sorge, dass die kleinen im normalen Becken, versorgt mit Artemia, echt "asten" um die eine oder andere Artemia zu verschlingen. Wobei im Tümpelbecken die Jungfische nur kurze Stöße nach vorne machen und dann schon für eine Weile verweilen. Heisst für mich, dass sie es sehr viel leichter beim fressen haben.

So langsam überlege ich mir echt, wie ich meine Jungfische nur noch in Tümpelbecken groß bzw. anziehe. Ich brauch mich gar nicht um die Verpflegung kümmern, dass nimmt mir eine Menge Arbeit und Sorge ab.
Übrigens sind die Schnecken in dem Becken sehr nützlich und vermehren sich prima.

Gruß

Frank
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Postby SusiDKG750 » 27 Sep 2008 20:25

Hi Frank,

das klingt spannend! Wie lange machst du das schon, bzw. wie lange hat sich das schon bewährt? Hält so ein Ansatz einen ganzen Winter lang?
Viele Grüße,
Susi

Ein Weib bezähmen mit Zanken und Grollen?!
Das heisst einen Fisch ersäufen wollen.
(Albert Roderich, 1846-1938, deutscher Dichter und Aphoristiker)
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Postby fairdv » 28 Sep 2008 21:41

Hallo Susi,

so ein Ansatz schafft es locker über den Winter, da ich ihn im Keller mit einem 25W Heizstab auf 25°C halte. Ich habe das schon vor meiner löngeren Pause gemacht, allerdings immer nur mit Wasser aus dem Ansatz gefüttert und nicht die Kleinen direkt da rein.
Ich mache mir im Moment noch einen 2ten Ansatz um dort mal alle 50-100 Jungfische des nächsten Rachovii Aufguss groß zu päppeln.
Ich denke das es bestimmt für die erste Woche reicht, dann wird es bestimmt knapp mit dem Futter.
Die Wasserflöhe halte ich mir parallel in 2 Liter Kunstoffbehältern. So habe ich immer einen frischen Ansatz.

Sauerstoff im jetzigen Ansatz: 5mg/l (ohne Zufuhr , nur Oberfläche)
Nitrat: 0
Nitrit:0
Phosphat: 0,2mg/l
Eisen: 0,02mg/l
Leitfähigkeit: 1205microS
Ammonium:0
KH: 6
GH: 10
ph: 6,8
Temp: 25°C

Besatz: 1 kleiner Eggersi (war der einzige der geschlüpft ist) schon fast 1 Woche und propper genährt, hatte ich vergessen zu erwähnen.

14 Rachovii Black . Machen sich auch besser als die Artemiafresser, aber nur geringfügig. Obwohl, ich habe die ersten 2 Tage gedacht, die kriegen die Artemia echt nicht gefressen und verhungern mir und bei den Kleinen im Ansatz war alles entspannter.



Gruß

Frank
fairdv
 
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Fortsetzung Brutbericht

Postby fairdv » 09 Oct 2008 21:44

Nun ist es 11 Tage her.
Verluste : 0

Wachstum = ++ ( deutlich besser als die Artemiafresser)
Wasserwerte: Alles im grünen Bereich und wie im oben erwähnt(erstaunlich stabil). Nitrat,Nitrit nicht nachweisbar. Übrigens immer noch keine Durchlüftung. Das Wasser wird jetzt allerdings leicht trübe, da die Filtrierer fehlen.

Nun stellt sich leider heraus, dass ich die Kleinen doch mit Artemia weiterfüttern muss, da sie wirklich alles außer der Schnecken aufgefressen haben.
Es gebe jetzt natürlich die Möglichkeit für mich, aus einem Zuchtansatz Moinas wieder genug Futter in den Ansatz zu bringen, aber das war ja nicht Ziel des Versuches. Es ging mir ja auch hauptsächlich um die Wasserwerte. Das die Aufzucht funktioniert war mir ja schon vorher klar.

Daher beende ich das Experiment hier auch. Die Artemia werden innerhalb von 2-3 Tagen für einen rasanten Nitrat/Nitrit Anstieg sorgen.

Ich würde sagen, ich mache das bei heiklen Arten jetzt immer so.
Die erste Woche ist genug zu fressen für mindestens 30-40 Jungfische vorhanden. Dann wird es aber rasant knapp. Ich bin auch der Meinung, das der Eggersi das Becken so leer frisst, der ist nämlich immens gewachsen und fängt an sich als Männchen zu entpuppen.

Der nächste Ansatz ist schon wieder fleißig in der Produktion. Diesmal habe ich zu den Moinas und dem Teichwasser auch noch reinrassige Pantoffeltierchen dazu getan. Die Schnecken verteile ich mitlerweile auf alle Zuchtbecken, da sich sich in meinen Augen nur als nützlich erweisen. Ihre Ausscheidungen stabislisieren zudem bei mir den pH-Wert. Allerdings werde ich erst Mitte November die nächsten TA´s aufsetzen, bis dahin wird es für die neuen Jungfische bestimmt schwer durch den Wust an lebenden Futter in dem neuen Ansatz zu finden :wink:

Gruß

Frank
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