Die DKG bekennt sich in ihrem Statut zu einem vernünftigen Artenschutz und verfolgt das Ziel einmal vorhandene Arten in unseren Aquarien nicht wieder aussterben zu lassen. Den Mitgliedern soll die Anschaffung eines guten Killifischbestandes erleichtert werden. Weiterhin wird die Arterhaltung durch Bildung von Arbeitsgemeinschaften für die einzelne Fischgattungen und –gruppen gefördert, die sich für deren Erhaltung durch Nachzuchten verantwortlich fühlen. Hiermit sind die Hauptaufgabe jeder Arterfassung und die Ziele aller Maßnahmen nur gezielten Arterhaltungszucht definiert.
Darüber hinaus zeigen die zurückliegenden Jahre, dass der Zivilisationsdruck des Menschen und die Begleiterscheinungen, wie Wasserverschmutzung, Absenkung des Grundwasserspiegels, intensive Landwirtschaft, Faunenverfälschung, Landverbrauch und nicht zuletzt die globalen klimatischen Veränderungen, zu einer massiven Gefährdung vieler Killifische führt. Sie sind ein Teil des Ökosystems und der Verlust einer Art greift nachhaltig in das Gefüge der natürlichen Netzwerke ein. Mit jeder aussterbenden Art beschleunigt sich der Verlust an Biodiversität.
Ein wirksamer Schutz vor Ort kann nur auf nationaler oder internationaler Ebene erfolgen, muss ökonomisch akzeptiert und praktisch umgesetzt werden und muss das gesamte Biotop erfassen!
Ein isoliertes unter Schutz stellen einzelner Arten, ohne die zur Gefährdung führenden Ursachen zu beseitigen, ist wenig sinnvoll, jedoch aber leider keine seltene Vorgehensweise im Artenschutz. Der Prozess des Umdenkens und das Einleiten von umfassenden Schutzmaßnahmen benötigt Zeit, für einige Arten zu viel Zeit. Hier übernimmt die Arterhaltung in Gefangenschaft eine wichtige Rolle!
Vom Aussterben bedrohte oder bereits in der Natur erloschene Arten in Zuchtprogrammen zu erhalten ist kein neuer Gedanke und wird z.B. bei Säugetieren, mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen, seit Jahrzehnten International praktiziert. Erhaltungszuchtprogramme für Amphibien, Reptilien, Säugetiere und Vögel sind sehr populär und erfreuen sich im Allgemeinen einer breiten Akzeptanz. Die Erhaltung von Fischarten führt dagegen ein Schattendasein und oft sind es einzelne Aquarianer oder Arbeitsgruppen, die sich um den Erhalt einiger Arten bemühen. Um solche Bemühungen zu konzentrieren und zu koordinieren wurde in der DKG das KEP (Killifisch-Erhaltungszuchtprogramm) initiiert.
Wann ist eine Art in der Natur gefährdet? Diese scheinbar simple Frage ist häufig, wegen fehlender Informationen, nicht leicht zu beantworten. Nur bei Arten, die in der Natur ausgestorben oder stark bedroht sind, ist diese Frage eindeutig zu beantworten. Denn in solchen Fällen stehen in der Regel ausreichend Informationen zur Verfügung. Bei vielen Arten fehlen diese Informationen oder sie sind spekulativ. Üblicherweise kommen diese Arten in sehr abgelegenen oder politisch unsicheren Gebieten vor. Auch fehlendes Wissen über das Verbreitungsgebiet macht eine Aussage über den Gefährdungsgrad einer Art oder Population oft unmöglich.
Wann ist eine Art im Hobby gefährdet? Diese Frage scheint immerhin einfacher zu sein. Ist sie es wenn 2 Züchter jeweils 3 Paare und 20 Jungfische halten, oder 4 Züchter jeweils 2 Paare und 2 Züchter davon je 6 Jungfische? Ist sie gefährdet obwohl man sie, z. B. in Spanien, reichlich vorhanden ist oder sie in der Natur als ungefährdet betrachtet wird, eine Einfuhr aber Zurzeit unmöglich ist?
Um diese Fragen zu beantworten müssen zuerst einmal alle verfügbaren Informationen über eine Art zusammengetragen werden. Hat man diese Daten, so müssen sie als nächstes ausgewertet werden. Dies sollte so objektiv wie möglich geschehen, also gewissen „Standards“ unterworfen sein. Um dies zu gewährleisten wurde eine Kontrollliste entwickelt: Ohne eine Auswertung bzw. Bewertung aller verfügbaren Informationen ist die Ermittlung des Gefährdungsgrades, anhand einer reinen Bestandsliste, eine subjektive Beurteilung, die durchaus zu Fehleinschätzungen führen kann.
Die Kontrollliste wurde in 5 Kriterien eingeteilt, die mit jeweils 3 Kennzahlen bewertet werden:
Gefährdungsgrad
Hier wird das Gefährdungspotenzial in Situ (in der Natur) bewertet.
Wiederbeschaffung
Hier wird die Möglichkeit der Wiederbeschaffung einer Art, durch Import oder außerhalb der DKG, bewertet.
Bestand in der DKG
Hier wird der Bestand ex Situ (außerhalb der Natur) bewertet.
Haltung und Zucht
Dies zu bewerten macht Sinn wenn z.B. mehrere Populationen einer Art zur Verfügung stehen und man, aus Kapazitätsgründen, die Anzahl verringern muss. In der Auswertung wird eine unproblematische Population „günstiger“ bewertet und unterstützende Maßnahmen würden auf diese Population konzentriert werden. Arten oder Populationen, die schwer zu vermehren und in der Haltung problematisch sind, fordern mehr Aufmerksamkeit des Züchters. Deshalb wird angestrebt, dass dieser seine Energie auf „einfachere Arten“ konzentriert. Somit ist es vielleicht möglich mit dem selben Aufwand zwei einfache Arten zu erhalten, anstelle an einer „komplizierten Art“ ggf. scheitern. Die Bewertung dieses Kriteriums erfolgt auf Grundlage allgemeiner Erkenntnisse und kann individuelle Fähigkeiten nicht berücksichtigen.
Anzahl der Züchter
Je geringer die Anzahl der Züchter ist, umso höher ist das Risiko diese Art zu verlieren.
Das Bewertungsergebnis
Sind alle 5 Kriterien bewertet worden, ergeben die Kennzahlen eine Gesamtsumme die in 3 Gefährdungsstufen eingeteilt wird:
Die Liste wird zweimal im Jahr aktualisiert, um eventuell Veränderungen zeitnah zu erfassen. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Beobachtung einer Art bzw. Population. Dadurch werden Entwicklungen frühzeitig sichtbar und es kann mit entsprechenden Maßnahmen rechtzeitig darauf reagiert werden. Keine Art gerät schleichend in Vergessenheit, wie es sonst häufig der Fall ist.
Maßnahmen zur Arterhaltung
Traditionell liegt der Schwerpunkt der Arterhaltung innerhalb der DKG im Aufgabenbereich der Arbeitsgemeinschaften. Das Wissen um einzelne Artengruppen ist dort konzentriert vorhanden, was die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Arterhaltung ist. Die Arbeitsgemeinschaften führen i.d.R. ein- bis zweimal im Jahr eine Bestandserfassung durch, die entweder nur die Halter bestimmter Arten oder auch die Anzahl der gehaltenen Tiere erfasst.
Die Anzahl der Halter und die Anzahl der zur Verfügung stehenden Tiere schwanken jedoch. Deshalb muss die Erfassung dieser Daten detailliert und mindestens zweimal im Jahr durchgeführt werden.
Der Einsatz der KEP-Liste kann die Arbeit der AG effektiver machen, indem die zur Verfügung stehenden Daten und Informationen in ihrer Summe bewertet und ausgewertet werden. Wird die Liste in einer AG eingesetzt, sollte dazu ein AG-Mitglied beauftragt werden, welches die Liste führt. Die AG leistet damit einen Beitrag zum KEP und ein Netzwerk kann entstehen Die AG nimmt also am KEP teil, ohne ihre Eigenständigkeit bei der Arterhaltung zu verlieren!
Die Entscheidung ob und welche Maßnahmen getroffen werden, ist Sache der Arbeitsgemeinschaften.
Das KEP stellt mit der Kontrollliste ein Instrument zur Verfügung, in dem alle Informationen über eine Art ausgewertet werden. Sie geht über das hinaus was eine normale Bestandsmeldung aussagt. Erst die Auswertung aller zur Verfügung stehenden Informationen ergibt ein objektives Bild zum Gefährdungsgrad einer Art oder Population!
Die eigentliche Erhaltungszucht und die hierfür notwendigen Maßnahmen können nur von den Haltern und Züchtern übernommen werden. Hier beginnt der Verantwortungsbereich der teilnehmenden AG, die mit der KEP-Liste ihr Erhaltungszuchtprogramm durchführt.
Das KEP ist keine übergeordnete Organisation, sondern ein Netzwerk mit eigenständigen Teilnehmern.
Seit 2005 wurde das KEP durch Michael Schneider wiederbelebt. Durch sein eigenes Engagement in der damaligen AG Eurasier und die tatkräftige Unterstützung u.a durch den AG-Leiter Heiko Kärst diente die dortige Bestandserfassung als Pilot-Projekt. Es wurde in diesem Zuge eine Excel-Tabelle erstellt und stetig weiter verbessert. Mittlerweile bewährt sich diese Liste zusehends auch für die Nordamerikanischen Killifische. Diese Liste kann jeder Zeit weiteren AGs zur Verfügung gestellt werden. Es spricht nichts dagegen, wenn die jeweiligen AGs die Liste für ihre speziellen Bedürfnisse anpassen. Das KEP, sprich Michael Schneider, steht den Arbeitsgemeinschaften jeder Zeit als Berater und für den Erfahrungsaustausch zur Verfügung. Im Killi Forum auf der DKG Homepage gibt es einen eigenen Bereich für das KEP.
Denkbar wäre es, dass die Ergebnisse aus den einzelnen Arbeitsgemeinschaften durch das KEP zu einem gemeinsamen großen Ergebnis zusammengefasst werden. Da in den Arbeitsgemeinschaften der DKG auch Mitglieder ausländischer Killiclubs aktiv sind, könnte das KEP mittelfristig auch zu einer Wiederbelebung des internationalen Erhaltungszuchtprogramms IKCP dienen oder dieses auch ersetzen, sollten sich ausländische Killiclubs offiziell daran anschließen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass mit dem KEP ein Instrument geschaffen wurde, mit dem die DKG ihre Ziele der Erhaltung und Verfügbarkeit von Killifischen erreichen kann.
Mit dem KEP steht den Arbeitsgemeinschaften ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem sie ihre bisherige meist reine Bestandserfassung zielstrebig und effektiv zur gezielten und optimal organisierten Arterhaltungszucht weiterentwickeln können. Weiterhin stellt die DKG als Verein damit unter Beweis, dass sie ihre diesbezüglichen Ziele nachdrücklich verfolgt und anderen beteiligten Insitutionen und Organisationen als vertrauenswürdiger und gleichberechtigter Partner für Arterhaltungsprojekte zur Verfügung steht!